Tages-Anzeiger, 2009-07-17
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© Tages-Anzeiger; 17.07.2009; Seite 46lse
LSE Linkes Ufer und Sihltal
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COUCHSURFER*: MICHELLE BARROW (22), USA
Es ist sehr relaxing hier - und die Häuser sind so alt!
«Meine beiden Gastgeber Romy und Matt Backus habe ich gewählt, weil sie ein Paar sind. Wenn ich alleine reise, finde ich das angenehmer. Meine erste Couchsurfing-Erfahrung habe ich bei einem alleinstehenden Mann gemacht, und die war nicht sehr gut. Er hat sich überhaupt nicht um mich gekümmert, und das ist ja nicht der Sinn von Couchsurfing.
Weil aber alle meine Freunde nur gute Erfahrungen gemacht hatten mit Couchsurfing, dachte ich mir: So schnell gibst du nicht auf, das war bestimmt nur eine blöde Ausnahme. Seither hatte ich ausschliesslich gute Erlebnisse.
Ich bin seit knapp vier Monaten auf Reisen. Während dreier Monate habe ich als Freiwillige auf Bio-Bauernhöfen gearbeitet. Einen Monat in Irland, zwei Monate in Frankreich. Organisiert hat meinen Aufenthalt die «World Wide Opportunities on Organic Farms». Diese Organisation vermittelt Freiwillige an Biobetriebe, welche den Helfern als Gegenleistung Kost und Logis bieten.
Mein erster Eindruck von Sood-Oberleimbach, wo Matt und Romy wohnen, war sehr positiv. Es ist sehr ruhig und relaxing hier. Sofort aufgefallen ist mir die Architektur. Die Häuser sind ganz anders als in Annapolis, Maryland, wo ich herkomme. Bei uns gibt es praktisch keine Wohnblöcke, sondern nur Einfamilienhäuser. Ausserdem sind die Häuser hier so alt! Romy meinte allerdings, für Schweizer Verhältnisse sei ihr Wohnblock - er stammt aus den 70er-Jahren - eher neu.
Auch die Stadt Zürich hat mir sehr gut gefallen. Auf Anraten von Matt und Romy hin habe ich Luxemburgerli und eine Bratwurst vom Sternen-Grill gegessen - beides wahnsinnig gut! Obwohl ich Würste sonst überhaupt nicht mag.
Bevor ich in die Schweiz kam, wurde mir oft gesagt, Schweizer seien reserviert gegenüber Fremden. Das stimmt überhaupt nicht. Ich wurde in den drei Tagen, seit ich hier bin, vier oder fünf Mal angesprochen im Zug. Die Leute wollten mit mir reden. Vielleicht mache ich einen speziell freundlichen Eindruck, ich weiss es nicht.
Wenn ich zurück in den Staaten bin, ziehe ich nach New York. Dann werde ich hoffentlich genug Platz haben, um Couchsurfer aufzunehmen. Bisher war ich nämlich immer nur Gast und noch nie Gastgeberin.»
- Couchsurfing ist ein Online-Netzwerk für Gastfreundschaft mit über 1 Million Mitgliedern. Wer sich registriert, bietet anderen eine kostenlose Übernachtungsmöglichkeit an. www.couchsurfing.org
Aufgezeichnet: Barbara Kieser
