Berner Zeitung, 2009-03-14; Seite 30; Nummer
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© Berner Zeitung, 2009-03-14; Seite 30; Nummer
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Sie surfen weltweit gratis von Sofa zu Sofa
Um die Welt reisen, ohne Geld für ein Hotel auszugeben. Das Netzwerk Couch-Surfing macht es möglich. Dieses Wochenende treffen sich in Bern Mitglieder aus der ganzen Schweiz zu Schnitzeljagd und Umtrunk.
Rivo Razafintsheno, Sie sind in Onlinekreisen besser bekannt als «tooki». Können Sie uns als Vertreter der Schweizer Couch-Surfer erklären, was Couch-Surfing genau ist?
Es ist ein internationales, kostenloses Internetnetzwerk, auf dem die Mitglieder ihre Couch Reisenden anbieten können. Umgekehrt nutzen auch viele Mitglieder die Website, um selber eine Schlafgelegenheit zu finden. Nebst dem Sofa werden auch andere Dienste angeboten, wie eine Stadtführung, Insidertipps fürs Nachtleben oder ein kleiner Kaffeeklatsch. Die Dauer, Art und Bedingung des Aufenthalts wird normalerweise im Voraus abgemacht.
Nun gilt das Internet nicht gerade als Ort der Sicherheit. Wie kann man überprüfen, dass man sich nicht einen Verrückten in die eigenen vier Wände holt?
Jedes Mitglied hat ein Profil und kann die Profile der anderen vor dem Besuch anschauen. Ausserdem wird eine Referenzliste geführt. Wenn ich also sehe, dass mein Gastgeber auf laute Partys steht, ich aber eher Ruhe und Erholung suche, kann ich mich umorientieren. Wenn der Gast sich daneben benimmt, erscheint das ebenfalls auf seinem Profil. Das hat zur Folge, dass ihm wegen der schlechten Beurteilung keiner mehr ein Sofa anbietet.
Wer macht bei dem Projekt alles mit?
Es gibt keinen typischen Couch-Surfer. Das Durchschnittsalter ist 24 Jahre. Frauen und Männer sind gleich stark vertreten. Wir haben über eine Million Mitglieder aus 231 Ländern und Regionen sowie aus über 55000 Städten. Die Schweiz liegt mit 12000 Mitgliedern auf Rang 10.
Dieses Wochenende findet in Bern ein Couch-Surfing-Treffen statt, was genau ist geplant?
Es ist ein nationales Treffen, bei welchem vor allem Schweizer Mitglieder eingeladen sind. Bern ist mit seinen 120 Sofa-Anbietern die aktivste Schweizer Stadt im Netzwerk. Unser Treffen läuft nicht stier nach Protokoll ab. Im Gegenteil, wir wollen die Stadt hautnah erleben. Geplant ist eine Schnitzeljagd quer durch Bern und Wanderausflüge. Das Nachtleben der Hauptstadt gilt es ebenfalls zu erkunden. Welche Probleme können beim Reisen mit Couch-Surfing auftauchen?
Nicht mehr als beim herkömmlichen Reisen. Natürlich kann ich auch mit unserem Netzwerk in einer fremden Stadt vor einer verschlossenen Türe stehen. Jedoch brauche ich nur Internet, um mir schnurstracks ein anderes Nachtquartier zu suchen.
Was spricht für eine Mitgliedschaft in Ihrem Netzwerk?
Wer gerne reist, aber nicht immer im Hotel übernachten will, für den sind wir genau das Richtige. Man lernt mit keiner anderen Reisemethode die einheimische Bevölkerung besser kennen. Als Gastgeber wiederum kann ich dank dem ausländischen Besuch für eine Weile aus meinem Alltag ausbrechen. Sie selber sind einerseits Gast, andererseits auch Gastgeber, welches sind Ihre besten Erfahrungen, die Sie gemacht haben?
Ich habe schon über acht Länder auf diese Weise besucht. In den letzten drei Jahren hatte ich über 90 Gäste. Ich habe meist positive Erfahrungen gemacht. Einen Punkt gilt es bei Couch-Surfing aber zu beachten: Wir sind keine Partnerbörse. Wer das akzeptiert, hat kaum Probleme.
Wie kann ich Mitglied werden?
Ganz einfach: auf unsere Homepage gehen, sich registrieren, Profil einrichten und lossurfen!
Interview Tobias Marti
·www.couchsurfing.com
Treffen der Couch-Surfer heute Samstagabend im Berner Lokal Turnhalle. «Wenn der Gast sich daneben benimmt, erscheint das auf seinem Profil im Internet.» Rivo Razafintsheno
