Aargauer Zeitung, 2009-06-29
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© Aargauer Zeitung / MLZ; 29.06.2009; Seite 30
Frick
«Sehe mehr als Ferienresorts»
Sabine Benz aus Oeschgen ist eine von wenigen Fricktaler «Couch Surfern»
Auf der Internetseite www.couchsurfing.com bieten Millionen Leute aus aller Welt kostenlos Unterkünfte an. Unter ihnen auch einige Fricktaler. nadine böni
«Ich bin wohl in einer Zeitung oder einem Magazin darauf gestossen», erzählt Sabine Benz. Ganz so genau weiss die 43-jährige Sekundarlehrerin aber nicht mehr, wie sie vor rund zwei Jahren vom «Couch Surfing» erfahren hat. Es ist aber klar, dass sie es «sofort eine gute Sache» fand. Anfang September 2007 meldete sie sich auf der Internetseite www.couchsurfing.com an. Dort finden sich Kontaktdaten von über einer Million Leuten aus der ganzen Welt, die kostenlose Übernachtungen anbieten.
Einblick in fremde Kulturen
«Allerdings geht es bei Couch Surfing nicht nur um die kostenlosen Übernachtungen», sagt Sabine Benz. «Wenn man bei jemandem zu Hause zu Gast ist, lernt man Land und Leute kennen und sieht, wie die Menschen in den verschiedenen Ländern leben», erklärt Benz. «Das ist nicht wie in einem Ferienresort, wo man nichts von der ‹Aussenwelt› mitbekommt. Die Leute zeigen einem ihr Land oder ihre Stadt. So kommt man an Orte, die man alleine vielleicht nicht finden würde.» Dafür müsse der Reisende aber auch bereit sein, sich auf Gepflogenheiten und Kulturen einzulassen. «Man geniesst schliesslich die Gastfreundschaft der Leute. Deshalb ist es auch üblich, dass man dem Gastgeber ein kleines Geschenk mitbringt», sagt Sabine Benz.
Selber war Benz schon bei einem Couch Surfer in der bulgarischen Stadt Nesebar. Dort hat sie eine Nacht verbracht. «Wir haben mit unserem Gastgeber vor der Post in Nesebar abgemacht. In Bulgarien ist aber alles auf Kyrillisch oder gar nicht angeschrieben, sodass wir die Post nicht sofort gefunden haben und ein wenig zu spät gekommen sind. Unsere Gastgeber haben aber auf uns gewartet», erzählt Sabine Benz und fügt an: «Es ist einfach schön, wenn man irgendwo ankommt und sofort aufgenommen wird. Man muss nicht noch ein Hotel suchen.» Auch bei Reisen ohne Couch Surfing können die Kontakte zu Personen in verschiedenen Ländern helfen. «Vor einiger Zeit war ich mit einer Schulklasse in Schweden. Ein Einheimischer hat das auf der Internetseite von Couch Surfing mitbekommen und hat mir viele Tipps und Adressen gegeben», erzählt Benz.
Freunde auf Fidschi
Sabine Benz hat über Couch Surfing auch schon Leute bei sich zu Hause aufgenommen. «Im Frühling letzten Jahres war ein Ehepaar aus Fidschi bei mir», erinnert sich Benz. Auf Wunsch zeigt sie ihren Besuchern die Umgebung und die Sehenswürdigkeiten der Region. «Leute, die ins Fricktal kommen, wollen etwas anderes von der Schweiz sehen als Grindelwald und Luzern», sagt Benz. «Viele suchen einfach die Ruhe, wollen aber auch die Möglichkeit haben, eine Stadt zu besuchen.» Auch Leute, die geschäftlich nach Basel oder Zürich müssten, würden gerne im Fricktal übernachten, erklärt Benz.
Sabine Benz weiss, dass es eine gewisse Offenheit und ein gewisses Interesse braucht, um einfach Fremde bei sich zu Hause aufzunehmen. «Ich respektiere es auch, wenn jemand sagt, dass er das nicht will», sagt Benz, fügt aber an: «Das Sicherheitssystem der Organisation ist gross. Ausserdem gibt es auch unter den Surfern ein Kontrollsystem.» Mit Couch Surfing hat Benz durchwegs positive Erfahrungen gemacht. Es entstünden immer wieder Freundschaften unter den Surfern, erklärt sie. So hat sie mit dem Ehepaar aus Fidschi noch heute Kontakt. «Sie haben mich sogar zu sich nach Hause eingeladen», erzählt Benz. Für den Sommer hat Sabine Benz bereits Anfragen aus Schweden, Spanien und China. «Ich freue mich auf interessante Begegnungen.»
Beliebtes Gastfreundschafts-Netzwerk
Couch Surfing ist ein Online-Netzwerk, das auf der Gastfreundschaft verschiedener Menschen aus allen Teilen der Welt basiert. Die Mitglieder des Netzwerkes nutzen die Website www.couchsurfing. com, um eine kostenlose Unterkunft auf Reisen zu finden oder selbst eine Unterkunft anzubieten.Nebenbei bieten Einheimische den Reisenden zum Beispiel auch kostenlose Stadtführungen an.
Couch Surfing entstand bereits vor rund zehn Jahren. Damals rief Casey Fenton die Internetseite ins Leben. Laut Statistiken auf der Website haben sich mittlerweile über eine Million Nutzer aus 232 Ländern und über 60 000 Städten auf der Seite registriert. Pro Tag kommen rund 2000 neue Nutzer dazu. Die am weitesten verbreitete Sprache im Couch- Surfing-Netzwerk ist mit rund 80 Prozent Englisch. Immerhin knapp 25 Prozent der Surfer geben an, Deutsch zu sprechen.
Rund 18 000 Schweizer sind im Couch-Surfing-Netzwerk registriert. Damit liegt die Schweiz auf dem 17. Rang der Couch-Surfing-Länder. Mit fast 3000 registrierten Nutzern ist Zürich die Top-Couch-Surfing-Stadt der Schweiz. (nbo)
